
Viele Digitalisierungsinitiativen in der Immobilienwirtschaft starten mit einer Lösung („Wir brauchen ein CRM“ oder „Wir brauchen ein Dashboard“), nicht mit einer Produktstrategie. Das führt zu Insellösungen, Medienbrüchen und Projekten, die zwar „live“ gehen, aber wenig Wirkung entfalten: Vertriebsteams arbeiten parallel in Excel, Projektleiter vertrauen dem Reporting nicht, und die Datenqualität sinkt weiter.
Eine solide Produktstrategie dreht die Reihenfolge um: erst Entscheidungslogik und Messgrößen, dann Technologie. Gerade bei Projektentwicklern und Maklern ist das entscheidend, weil Prozesse (Lead → Beratung → Reservierung → Notar → Übergabe) und Datenquellen (Portale, Website, Telefon, Exposés, ERP, DMS) stark verzahnt sind.
Produktstrategie bedeutet hier nicht „Feature-Liste“, sondern die Steuerung von Wertströmen: Welche Schritte erzeugen Umsatz, reduzieren Risiko oder beschleunigen Entscheidungen?
Wenn diese Wertströme klar sind, wird die Software-Entscheidung deutlich einfacher: Sie wird zu einer Frage der priorisierten Wirkung statt der lautesten Stakeholder-Meinung.
Ein praxistaugliches Zielbild lässt sich schnell strukturieren, wenn Sie drei Ebenen unterscheiden:
Wichtig: Jedes Systemziel muss mindestens ein Prozessziel stützen – und jedes Prozessziel muss auf ein Geschäfts-/Outcome-Ziel einzahlen.
„Wir können nichts messen, unsere Daten sind schlecht“ ist ein häufiger Blocker. Für Produktentscheidungen benötigen Sie jedoch nicht perfekte Daten, sondern entscheidungsrelevante Signale. Starten Sie mit wenigen Kennzahlen, die wirklich steuern:
Praktischer Tipp: Definieren Sie pro Kennzahl eine Quelle, einen Owner und einen Aktualisierungsrhythmus. Ohne Verantwortlichkeiten wird jedes Dashboard zur Momentaufnahme ohne Vertrauen.
In der Immobilienbranche treffen häufig zwei Extreme aufeinander: „Wir kaufen eine Standardlösung und passen uns an“ vs. „Wir bauen alles selbst“. Eine bessere Entscheidungslogik ist eine nüchterne Bewertung entlang von vier Kriterien:
Ein häufig sinnvolles Muster ist „Standard dort, wo es reicht“ (z. B. Basis-CRM-Funktionen) und „Individual dort, wo Ihr Kernprozess leidet“ (z. B. projekt-/einheitenbezogene Dashboards, spezifische Automatisierungen, 3D-Visualisierung oder Datenmodelle).
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Viele Unternehmen entscheiden nach Bauchgefühl oder nach „wer am lautesten ruft“. Eine einfache, robuste Priorisierung für B2B-Real-Estate-Projekte ist ein Scoring aus vier Faktoren (1–5):
Rechnen Sie nicht zu kompliziert. Entscheidend ist die Transparenz: Warum hat Feature A Vorrang vor Feature B? Das reduziert interne Reibung und beschleunigt Entscheidungen.
Merksatz: Was nicht priorisiert wird, wird implizit priorisiert – meist zugunsten kurzfristiger, nicht strategischer Aufgaben.
In Immobilien-Use-Cases entstehen Kosten oft nicht durch Entwicklung, sondern durch spätere Anpassungen: neue Portale, neue Datenschutzanforderungen, neue Vertriebskanäle, neue Projektlogiken. Deshalb sollten Sie früh drei Leitplanken setzen:
Wenn Einheiten, Gebäude, Projekte, Kaufinteressenten, Reservierungen und Dokumente nicht sauber modelliert sind, werden Dashboards und Automatisierungen unzuverlässig. Beginnen Sie mit einem konsistenten Kernmodell (inkl. Status, Historie, Verantwortlichkeiten).
Planen Sie Schnittstellen als Produktbestandteil: Portal-Leads, Website-Formulare, Telefonie, Kalender, DMS/ERP. Jede manuelle Übertragung ist ein Qualitäts- und Compliance-Risiko.
Gerade bei Entwickler-/Maklerstrukturen mit externen Partnern sind klare Rollen essenziell: Wer darf was sehen/ändern? Können Sie Änderungen nachvollziehen? Das schützt vor Fehlern und stärkt das Vertrauen in Zahlen.
Die Einführung neuer Software scheitert selten an Technik, sondern an fehlender Entscheidungsroutine: Wenn Teams weiterhin über E-Mail/Excel steuern, bleibt das System leer oder widersprüchlich.
Bewährte Praxis für einen stabilen Rollout:
Wenn Sie diese Punkte schriftlich beantworten, haben Sie eine belastbare Basis für Anbieter-Vergleiche, Budgetentscheidungen und interne Abstimmung.
Eine gute Produktstrategie in der Immobilienwirtschaft verbindet Geschäftsziele, Prozessdesign und Datenarchitektur. Sie reduziert Komplexität, macht Ergebnisse messbar und verhindert teure Umwege. Entscheidend ist nicht „die perfekte Software“, sondern ein Entscheidungssystem, das Wirkung priorisiert, Daten verlässlich macht und Integrationen von Anfang an mitdenkt.