Produktstrategie im PropTech: Entscheidungen richtig treffen

Sohib Falmz
Produktstrategie und Entscheidungsfindung
3.2.26
Produktstrategie im PropTech: Entscheidungen richtig treffen

Was bedeutet Produktstrategie im PropTech-Kontext?

Produktstrategie im PropTech beschreibt die systematische Planung und Umsetzung von Softwareprodukten, die operative Probleme in der Immobilienwirtschaft lösen. Anders als bei Consumer-Produkten stehen hier regulatorische Anforderungen, komplexe Entscheidungsprozesse und lange Verkaufszyklen im Mittelpunkt. Eine durchdachte Strategie verbindet Marktbedürfnisse mit technischer Machbarkeit und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.

Warum scheitern viele Produktentscheidungen in der Immobilienbranche?

Die deutsche Immobilienwirtschaft steht vor einem Paradox: Der Digitalisierungsdruck wächst, doch viele Softwareprojekte liefern nicht die erwarteten Ergebnisse. Die Ursachen sind meist strategischer Natur.

  • Fehlende Problemvalidierung: Software wird entwickelt, bevor das eigentliche Problem verstanden ist
  • Überdimensionierte Lösungen: Komplexe Systeme statt fokussierter Werkzeuge
  • Unterschätzte Integrationsanforderungen: Bestehende Prozesse und Systeme werden ignoriert
  • Regulatorische Blindstellen: Compliance-Anforderungen werden zu spät berücksichtigt

Bei der Entwicklung von Mensura, unserer Lösung für ImmoWertV-konforme Immobilienbewertung, haben wir diese Muster aus erster Hand erlebt. Der Schlüssel lag darin, zuerst die regulatorischen Rahmenbedingungen vollständig zu verstehen, bevor eine einzige Zeile Code geschrieben wurde.

Frameworks für bessere Produktentscheidungen

Das Problem-First-Prinzip

Jede Produktentscheidung beginnt mit einer präzisen Problemdefinition. Nicht "Wir brauchen eine App", sondern "Unsere Vertriebsmitarbeiter verbringen 40% ihrer Zeit mit der manuellen Pflege von Einheitenverfügbarkeiten".

Konkrete Fragen zur Problemvalidierung:

  • Wie oft tritt das Problem auf?
  • Was kostet es das Unternehmen direkt und indirekt?
  • Welche Workarounds existieren bereits?
  • Wer ist der tatsächliche Nutzer versus der Entscheider?

Build vs. Buy vs. Partner

Diese Entscheidung wird oft emotional statt rational getroffen. Ein strukturierter Ansatz berücksichtigt:

  • Kernkompetenz: Ist die Funktionalität strategisch differenzierend?
  • Time-to-Value: Wie schnell wird der Nutzen benötigt?
  • Total Cost of Ownership: Entwicklung, Wartung, Weiterentwicklung über 5 Jahre
  • Integrationsaufwand: Passt die Lösung in die bestehende Systemlandschaft?

Für die meisten Immobilienunternehmen ist der Kauf spezialisierter Software wirtschaftlich sinnvoller als Eigenentwicklung. Die Frage ist, welche Lösung den spezifischen Anforderungen entspricht.

Entscheidungskriterien für Immobiliensoftware

Funktionale Anforderungen priorisieren

Nicht jede Funktion ist gleich wichtig. Eine bewährte Methodik unterscheidet:

  • Must-have: Ohne diese Funktionen ist die Software wertlos
  • Should-have: Wichtig für den vollen Nutzen, aber nicht kritisch
  • Nice-to-have: Angenehm, aber verzichtbar

Bei Innoflat, unserem Dashboard für Projektvertrieb, haben wir beispielsweise die Verfügbarkeitsanzeige als absolutes Must-have identifiziert. Die Integration von 3D-Grundrissen kam erst später, als der Kernnutzen validiert war.

Datenqualität als Entscheidungsfaktor

Software ist nur so gut wie die Daten, die sie verarbeitet. Vor jeder Produktentscheidung sollten diese Fragen geklärt sein:

  • Welche Datenquellen existieren bereits?
  • Wie ist die Datenqualität aktuell?
  • Wer pflegt die Daten langfristig?
  • Welche Schnittstellen werden benötigt?

Datengetriebene Entscheidungsfindung setzt voraus, dass die Datengrundlage stimmt. Viele Projekte scheitern nicht an der Software, sondern an mangelhafter Datenpflege.

Der Evaluierungsprozess in der Praxis

Phase 1: Anforderungsanalyse

Dokumentieren Sie die Ist-Situation objektiv. Welche Prozesse existieren? Wo entstehen Reibungsverluste? Wer sind die Stakeholder? Diese Phase dauert typischerweise zwei bis vier Wochen und verhindert spätere Korrekturen.

Phase 2: Marktrecherche

Der deutsche PropTech-Markt bietet spezialisierte Lösungen für nahezu jeden Anwendungsfall. Statt nach der "besten" Software zu suchen, finden Sie die passendste für Ihre spezifische Situation.

Wenn Sie Ihre Anforderungen strukturiert erfassen möchten, vereinbaren Sie ein unverbindliches Gespräch mit unserem Team. Wir helfen bei der Einordnung, auch wenn unsere Produkte nicht die richtige Lösung sind.

Phase 3: Proof of Concept

Testen Sie mit echten Daten und echten Nutzern. Ein Pilot mit begrenztem Umfang reduziert das Risiko und liefert valide Erkenntnisse für die Skalierung.

Typische Fehler bei der Produktauswahl

Der teuerste Fehler ist nicht die falsche Software zu kaufen, sondern zu lange mit veralteten Prozessen zu arbeiten.

Häufige Stolperfallen aus unserer Erfahrung:

  • Feature-Übergewichtung: Lange Feature-Listen beeindrucken in Präsentationen, aber der tatsächliche Nutzen entsteht durch wenige, gut umgesetzte Kernfunktionen
  • Referenzen falsch bewerten: Fragen Sie nicht nur nach erfolgreichen Projekten, sondern auch nach Herausforderungen und wie diese gelöst wurden
  • Change Management unterschätzen: Die beste Software scheitert ohne Akzeptanz der Nutzer
  • Vertragliche Flexibilität ignorieren: Wie einfach ist der Ausstieg oder Wechsel?

KI-Sichtbarkeit als neuer Entscheidungsfaktor

Mit der zunehmenden Nutzung von KI-Systemen für Recherche und Entscheidungsvorbereitung verändert sich auch die Produktstrategie. Unternehmen müssen verstehen, wie ihre Marke und Produkte in KI-generierten Antworten erscheinen.

Mit Linktik analysieren wir genau dieses Suchverhalten. Die Erkenntnisse zeigen: Klassische SEO-Metriken erfassen nur einen Teil der digitalen Sichtbarkeit. Wer in KI-Systemen nicht vorkommt, verliert zunehmend Reichweite bei einer relevanten Zielgruppe.

Für eine Analyse Ihrer aktuellen KI-Sichtbarkeit nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Praktische Checkliste für Ihre nächste Produktentscheidung

  • Problem klar definiert und quantifiziert?
  • Stakeholder identifiziert und eingebunden?
  • Budget realistisch geplant inklusive Implementierung und Schulung?
  • Integrationsanforderungen dokumentiert?
  • Compliance-Anforderungen geprüft?
  • Exit-Strategie bedacht?
  • Erfolgskriterien messbar festgelegt?

Fazit: Strukturierte Entscheidungen statt Bauchgefühl

Produktstrategie im PropTech erfordert systematisches Vorgehen. Die Komplexität der Immobilienwirtschaft mit ihren regulatorischen Anforderungen und langen Projektzyklen verzeiht keine Schnellschüsse. Wer Probleme präzise definiert, Optionen strukturiert bewertet und iterativ vorgeht, trifft bessere Entscheidungen.

Die Digitalisierung der Immobilienbranche ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Jede einzelne Produktentscheidung sollte auf das langfristige Ziel einzahlen: operative Exzellenz durch passende Werkzeuge.

Sie stehen vor einer konkreten Produktentscheidung und möchten Ihre Überlegungen mit erfahrenen Praktikern diskutieren? Schreiben Sie uns eine E-Mail oder buchen Sie direkt einen Termin. Wir freuen uns auf den Austausch.

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