PropTech in der Praxis: Wie Entwickler und Makler mit Daten, Dashboards und Automatisierung schneller verkaufen

Sohib Falmz
Immobilien und PropTech
9.1.26
PropTech in der Praxis: Wie Entwickler und Makler mit Daten, Dashboards und Automatisierung schneller verkaufen

Warum „mehr Tools“ selten das Problem lösen

Viele Projektentwickler und Makler in Deutschland haben inzwischen eine ganze Werkzeugkette: CRM, Exposé-Generator, Datenraum, Marketing-Tools, Excel-Modelle, vielleicht ein BI-Dashboard. Trotzdem bleiben typische Engpässe bestehen: zu langsame Angebotsprozesse, uneinheitliche Projektdaten, wenig Transparenz über Pipeline und Reservierungen, manuelle Reportings und Leads, die zu spät oder falsch priorisiert werden.

Der Kern ist selten die Anzahl der Systeme – sondern die fehlende Verbindung zwischen Daten, Prozess und Entscheidung. PropTech entfaltet seinen Nutzen erst dann, wenn es operative Arbeit reduziert und gleichzeitig die Steuerungsfähigkeit erhöht.

Die 5 häufigsten Reibungsverluste in Neubauvertrieb und Projektvermarktung

  • Uneinheitliche Projektdaten: Flächen, Preise, Verfügbarkeiten und Ausstattungen sind in mehreren Dateien/Systemen verteilt.
  • Intransparente Pipeline: Es fehlt ein klarer Status pro Interessent/Einheit (Kontakt → Besichtigung → Reservierung → Notar).
  • Manuelle Abstimmungen: Vertrieb, Projektsteuerung und Marketing stimmen Änderungen (Preislisten, Grundrisse, Baufortschritt) per E-Mail ab.
  • Reporting ohne Echtzeit: Dashboards werden aus Exporten gebaut; Entscheidungen basieren auf „Stand letzte Woche“.
  • Leadbearbeitung mit Verzögerung: Reaktionszeiten sind zu hoch; Leads werden nicht nach Qualität, Timing oder Einheit-Match priorisiert.

Diese Reibungen kosten nicht nur Zeit, sondern erzeugen Umsatzrisiken: Reservierungen laufen aus, Preisänderungen werden nicht konsistent kommuniziert, und Teams verlieren Vertrauen in Daten.

Ein praxistauglicher PropTech-Ansatz: vom Datensatz zur Entscheidung

Ein wirksamer Ansatz lässt sich als Kette verstehen:

  • Single Source of Truth für Projekt- und Einheitsdaten
  • Prozesslogik (Status, Reservierung, Dokumente, Aufgaben)
  • Dashboards für Vertrieb, Management und Projektteam
  • Automatisierung für wiederkehrende Abläufe
  • Visualisierung (z. B. 3D/Unit-Ansichten) zur Conversion-Steigerung

Wichtig: Das Ziel ist nicht „Digitalisierung um der Digitalisierung willen“, sondern kürzere Durchlaufzeiten, weniger Fehler und bessere Steuerung.

1) Datenfundament: Projekt- und Einheitsdaten sauber modellieren

In der Praxis scheitern viele Initiativen an einem unterschätzten Punkt: Einheiten sind nicht nur „Objekte“, sondern dynamische Datensätze mit Abhängigkeiten (Preislogik, Vermarktungsstatus, Baufortschritt, Dokumente, Besonderheiten).

Was sich bewährt

  • Klare Datenverantwortung: Wer darf Preise ändern? Wer aktualisiert Flächen? Wer pflegt Baufortschritt?
  • Versionierung & Nachvollziehbarkeit: Änderungen an Preislisten/Grundrissen müssen auditierbar sein.
  • Einheitliche Schlüssel: Eine eindeutige Unit-ID vermeidet Dubletten zwischen CRM, Website, Datenraum.
  • Import/Export-Disziplin: Wenige, definierte Schnittstellen statt vieler „Excel-Wildwuchs“.

Wenn Sie unsicher sind, wie ein robustes Datenmodell für Ihre Projekte aussehen kann, lässt sich das meist in einem kurzen Workshop klären: Anforderungen besprechen.

2) Dashboards, die Entscheidungen abbilden (nicht nur Kennzahlen)

Viele Dashboards scheitern daran, dass sie zu allgemein sind. In Neubauvertrieb und Projektvermarktung braucht es Sichten, die direkt an Entscheidungen gekoppelt sind: Welche Einheit blockiert Umsatz? Wo kippt die Nachfrage? Welche Kanäle liefern nicht nur Leads, sondern Abschlüsse?

Drei Dashboard-Ebenen mit hohem Nutzen

  • Unit-Dashboard (operativ): Verfügbarkeit, Reservierungen, Fristen, Dokumentenstatus, nächste Aktion.
  • Projekt-Dashboard (steuernd): Abverkaufsquote, Preisentwicklung, Lead-to-Reservation, Reservation-to-Notar, Kanalvergleich.
  • Portfolio-/Management-Dashboard: Forecast, Risikoindikatoren (z. B. Einheiten mit vielen Kontakten ohne Fortschritt), Kapazitätsbedarf im Vertrieb.

Praktischer Tipp: Definieren Sie je Dashboard eine zentrale Entscheidung, die es besser machen soll (z. B. „Welche Einheiten brauchen einen Preis-/Marketing-Impuls?“). Alles, was dazu nicht beiträgt, ist Ballast.

3) Automatisierung: Weniger manuelle Arbeit, schnellere Reaktion

Automatisierung ist im Immobilienvertrieb besonders wirksam, weil viele Abläufe wiederkehrend sind: Lead-Erfassung, Erstkontakt, Terminvereinbarung, Unterlagenversand, Statuswechsel, Erinnerungen bei Reservierungsfristen.

Konkrete Automations-Use-Cases (DSGVO-tauglich planbar)

  • Lead-Routing: Leads automatisch an zuständige Teams/Regionen/Projekte verteilen.
  • Qualifizierung: Scoring nach Budget, Timing, Einheit-Match, Interaktionen.
  • Follow-ups: Erinnerungen bei Inaktivität oder wenn Dokumente fehlen.
  • Reservierungsfristen: Eskalation an Vertrieb/Backoffice, wenn Fristen auslaufen.
  • Reporting-Automation: Wöchentliche Projekt-Updates automatisch generieren, statt manuell zu bauen.

Entscheidend ist die Reihenfolge: Erst Prozesslogik sauber definieren, dann automatisieren. Sonst wird nur Chaos schneller.

Wenn Sie prüfen möchten, welche 2–3 Automationen bei Ihnen am schnellsten Wirkung zeigen, können Sie ein unverbindliches Gespräch buchen.

4) 3D-Visualisierung und Unit-Interaktion: Conversion ohne „Show-Effekt“

3D-Visualisierung wird oft als Marketing-Feature betrachtet. In der Praxis ist sie besonders stark, wenn sie mit echten Einheitsdaten verbunden wird: Verfügbarkeit, Preis, Grundriss, Ausrichtung, Besonderheiten. Dann wird 3D zum Vertriebsinstrument, nicht zur Spielerei.

Woran Sie ein gutes Setup erkennen

  • Einheit klickbar, Daten konsistent: Was im 3D-Modell als verfügbar erscheint, ist es auch im Vertriebssystem.
  • Schnelle Pflege: Änderungen an Einheiten (Status/Preis) aktualisieren Visualisierung ohne Medienbrüche.
  • Messbarkeit: Interaktionen fließen als Signale ins Lead-Scoring (z. B. „3-mal Einheit 2.3 angesehen“).

Der Vorteil für Entwickler: Weniger Rückfragen, weniger Missverständnisse. Für Makler: Bessere Gesprächsgrundlage, kürzere Beratungswege, mehr qualifizierte Termine.

5) Integrationen: API-first denken, aber pragmatisch umsetzen

In der Immobilienpraxis gibt es selten „das eine System“. Deshalb ist Integrationsfähigkeit entscheidend – insbesondere zwischen CRM, Projekt-/Einheitsdatenbank, Website/Lead-Formularen, Datenraum, Signatur/Vertragsprozessen und BI.

Pragmatische Leitlinien

  • API-first als Zielbild, aber mit klaren Zwischenstufen (z. B. definierte Importe).
  • Event-Logik statt Batch-Export: Statuswechsel einer Einheit sollte Ereignisse auslösen (Benachrichtigungen, Aufgaben, Updates).
  • Fehlertoleranz: Integrationen brauchen Monitoring und saubere Fehlerpfade (sonst „stille“ Datenfehler).
  • Rechte & Rollen: Nicht jeder braucht Zugriff auf alles; Datensparsamkeit und klare Berechtigungen helfen DSGVO und Sicherheit.

Wenn Sie bereits mehrere Systeme im Einsatz haben, lohnt sich häufig ein Architektur-Check: Welche Daten sind führend, wo entstehen Dubletten, wo sind Integrationsbrüche? Für eine erste Einordnung reicht oft eine kurze Beschreibung Ihrer Systemlandschaft – per E-Mail anfragen.

ROI im PropTech-Kontext: Welche Kennzahlen wirklich zählen

Der ROI von PropTech wird oft zu abstrakt diskutiert. Praktisch lässt er sich über wenige, vertriebsnahe Kennzahlen greifbar machen:

  • Reaktionszeit auf Leads: Minuten/Stunden statt Tage (häufig direkter Effekt auf Terminquote).
  • Lead-to-Reservation Rate: Hebel durch bessere Qualifizierung und Prozessführung.
  • Reservation-to-Notar Rate: Hebel durch Dokumenten- und Fristenmanagement.
  • Durchlaufzeit pro Einheit: von Erstkontakt bis Abschluss; reduziert Kapitalbindung.
  • Aufwand pro Report: Stunden pro Woche, die in Vertrieb statt Administration fließen können.

Ein hilfreicher Ansatz: Starten Sie mit einer Baseline (Ist-Zustand) und definieren Sie für 90 Tage zwei Zielwerte. So wird PropTech messbar – und priorisierbar.

Ein realistischer 90-Tage-Plan für Projektentwickler und Makler

Phase 1 (Woche 1–2): Zielbild und Datenklarheit

  • Use-Cases priorisieren (z. B. Reservierungen, Reporting, Lead-Routing)
  • Einheitsdatenmodell und Verantwortlichkeiten festlegen
  • Erste KPI-Definition (Baseline + Zielwerte)

Phase 2 (Woche 3–8): MVP mit echtem Betrieb

  • Dashboard für Projekt/Einheiten live schalten
  • 1–2 Automationen implementieren (z. B. Lead-Routing, Frist-Erinnerungen)
  • Integrations-MVP (mindestens: Website/Leads → CRM/Einheit)

Phase 3 (Woche 9–12): Stabilisieren und skalieren

  • Datenqualität messen (Dubletten, fehlende Felder, Statuskonsistenz)
  • Weitere Prozessschritte automatisieren
  • Optional: 3D/Interaktion anbinden, wenn Datenfluss stabil ist

So entsteht schnell ein Nutzen im Tagesgeschäft – ohne ein monatelanges Großprojekt.

Was Innosirius in solchen Projekten typischerweise umsetzt

Innosirius baut Individualsoftware und Integrationen für Immobilienunternehmen – insbesondere dort, wo Standardtools nicht sauber abbilden, wie Projekte tatsächlich gesteuert und verkauft werden. Typische Bausteine sind:

  • Projekt- und Unit-Dashboards (operativ bis Management)
  • Datenmodelle, Schnittstellen und Systemintegration
  • Automatisierung im Lead- und Reservierungsprozess
  • 3D-Visualisierung mit Anbindung an Echtzeit-Verfügbarkeiten

Wenn Sie herausfinden möchten, welcher Baustein für Ihr aktuelles Projekt den größten Hebel hat, können Sie einen Termin vereinbaren.

Fazit: PropTech wirkt, wenn es den Vertrieb und die Steuerung verbindet

Der wirksamste PropTech-Fortschritt entsteht nicht durch einzelne Features, sondern durch eine durchgängige Kette: saubere Einheitsdaten, klare Prozesslogik, entscheidungsnahe Dashboards, gezielte Automatisierung und – wo sinnvoll – interaktive Visualisierung. Wer diese Kette konsequent aufbaut, reduziert manuelle Arbeit, erhöht Transparenz und verbessert Abschlussquoten.

Wenn Sie konkrete Anforderungen oder ein laufendes Projekt besprechen möchten, ist der einfachste nächste Schritt: Kontakt aufnehmen.

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