Von Excel zu Echtzeit: Wie Projektentwickler Vertrieb, Reporting und Leadprozesse sauber digitalisieren

Sohib Falmz
Praxis und Insights
17.1.26
Von Excel zu Echtzeit: Wie Projektentwickler Vertrieb, Reporting und Leadprozesse sauber digitalisieren

Warum „mehr Tools“ selten hilft – und was stattdessen funktioniert

Viele Projektentwickler und Makler arbeiten heute mit einem Mix aus Excel-Listen, E-Mail-Postfächern, CRM-Insellösungen, Datenräumen und Portalen. In der Praxis entstehen dadurch Reibungsverluste: Zahlen sind nicht konsistent, Leads werden doppelt bearbeitet, der Vertrieb berichtet „gefühlt“, und das Management bekommt Entscheidungen erst, wenn Chancen schon verstrichen sind.

In der Immobilienwirtschaft ist Digitalisierung dann wirksam, wenn sie Ende-zu-Ende gedacht wird: von der Datenbasis (Objekt, Einheit, Preise, Status) über Leadquellen und Qualifizierung bis hin zu Reporting und Übergaben an Finance, Projektsteuerung oder Asset Management.

Dieser Beitrag zeigt eine praxiserprobte Struktur, wie Sie Prozesse und Software so aufsetzen, dass Vertrieb und Reporting in Echtzeit funktionieren – ohne „Tool-Zoo“ und ohne monatelange Blockaden.

Typische Symptome in der Praxis (und warum sie teuer sind)

Die häufigsten Symptome sind selten technisch, sondern organisatorisch – sie zeigen sich aber in Daten und Kennzahlen:

  • Mehrere Wahrheiten: Einheit A ist im Excel verfügbar, im CRM reserviert, im Exposé noch als frei ausgewiesen.
  • Zu späte Signale: Der Abverkauf stockt, aber es fällt erst nach Wochen im Monatsreport auf.
  • Manuelle Übergaben: Leads werden aus Portalen per CSV importiert, händisch verteilt, nachtelefoniert, dann wieder manuell dokumentiert.
  • Intransparente Pipeline: Niemand kann belastbar sagen, wie viele ernsthafte Interessenten pro Einheit existieren und wie hoch die Abschlusswahrscheinlichkeit ist.
  • Fehlende Vergleichbarkeit: Performance von Kampagnen, Vertriebswegen oder Maklerpartnern wird nur grob geschätzt.

Die Kosten entstehen nicht nur durch Zeitverlust. Teurer sind falsche Entscheidungen: zu späte Preis-/Anreiz-Anpassungen, fehlgeleitete Budgets und Kapazitätsplanung ohne belastbare Pipeline.

Das Zielbild: Ein „Single Source of Truth“-Setup für Projektvertrieb

Ein realistisches Zielbild muss nicht „alles neu“ bedeuten. Es geht um eine klare Daten- und Prozessarchitektur. In der Praxis bewährt sich diese Logik:

  • Einheiten- und Projektdaten als Kern (z. B. Einheit, Status, Preis, Flächen, Baufortschritt, Dokumente).
  • Leads und Kontakte klar getrennt (Lead = Anfrage/Signal; Kontakt = Person/Organisation).
  • Pipeline-Events (Besichtigung, Reservierung, Finanzierung, Notartermin) als standardisierte Statuswechsel.
  • Dashboards aus denselben Daten gespeist wie operative Systeme.
  • Integrationen statt Kopieren: Portale, Formulare, CRM, E-Mail/Telefonie, Datenraum.

Wenn Sie dieses Zielbild schrittweise erreichen wollen, starten Sie nicht mit einer „Software-Auswahl“, sondern mit drei Fragen: Welche Entscheidungen wollen wir schneller treffen? Welche Daten brauchen wir dafür? Wo entstehen die Daten heute?

Anforderungen besprechen

Der praktikable Weg in 6 Schritten

1) Entscheidungen definieren, bevor Sie Daten sammeln

Eine Datenbasis ist nur so gut wie ihr Zweck. Definieren Sie 5–8 Entscheidungen, die regelmäßig getroffen werden müssen, z. B.:

  • Wann und wie stark passen wir Preise/Anreize an?
  • Welche Einheiten brauchen zusätzliche Vertriebsschwerpunkte?
  • Welche Leadquellen liefern abschlussträchtige Anfragen?
  • Wie viele Reservierungen kippen und warum?
  • Welche Vertriebskapazität brauchen wir in den nächsten 4–6 Wochen?

Diese Fragen bestimmen, welche Events und Felder zwingend sauber erfasst werden müssen.

2) Datenmodell vereinfachen: weniger Felder, mehr Verbindlichkeit

Viele Teams scheitern an zu komplexen Masken. Besser: ein schlankes, verpflichtendes Set an Feldern plus optionale Ergänzungen. Beispiele für ein Minimal-Set:

  • Einheit: eindeutige ID, Status (frei/reserviert/verkauft), Preis, Fläche, Verfügbarkeit, Vermarktungsstart
  • Lead: Quelle, Projekt/Einheit, Zeitpunkt, Kontaktkanal, Einwilligung/DSGVO-Status
  • Pipeline: nächster Schritt, Verantwortlicher, Termin, Grund bei Verlust/Abbruch

Wichtig ist nicht „mehr Daten“, sondern gleichartige Daten, die sich vergleichen lassen.

3) Leadfluss automatisieren: von der Anfrage zur qualifizierten Chance

AI-gestützte Leadprozesse funktionieren nur, wenn der Basisfluss steht. Ein robuster Leadfluss enthält typischerweise:

  • Erfassung aus Formularen/Portalen/E-Mail in ein System (keine Zwischenablagen).
  • Duplikatlogik (Kontaktzusammenführung, Projektzuordnung).
  • Qualifizierung anhand transparenter Regeln (z. B. Budget/Timing/Objektart).
  • Routing an zuständige Teams (Region, Projekt, Einheit, Auslastung).
  • Follow-up-Automation für Standardfälle (Bestätigung, Terminoptionen, Dokumente).

Der häufigste Hebel: konsequentes Speed-to-Lead. Wer innerhalb von Minuten reagiert, gewinnt messbar mehr Gespräche – ohne mehr Werbebudget. Automatisierung reduziert dabei nicht nur Zeit, sondern verhindert, dass Leads „liegen bleiben“.

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4) Projekt- und Unit-Dashboards: vom Reporting zum Steuerungsinstrument

Dashboards werden oft als „Management-Reporting“ verstanden. In der Praxis sind sie am wertvollsten, wenn sie operative Steuerung ermöglichen. Ein gutes Projekt-/Unit-Dashboard beantwortet täglich:

  • Abverkauf: frei/reserviert/verkauft je Einheit und Zeitverlauf
  • Pipeline: Leads, qualifizierte Chancen, Besichtigungen, Reservierungen, Notartermine
  • Konversion: von Lead zu Termin, Termin zu Reservierung, Reservierung zu Verkauf
  • Leadqualität: Abschlussquote und Zeit bis Abschluss je Quelle
  • Engpässe: wo staut es? (z. B. Finanzierung, Unterlagen, Rückfragen)

Wichtig: Das Dashboard muss aus dem operativen System gespeist werden. Sobald Daten händisch „fürs Reporting“ aufbereitet werden, ist es nur eine rückwärtsgewandte Momentaufnahme.

5) 3D/Visualisierung dort einsetzen, wo sie messbar wirkt

3D-Visualisierung, interaktive Lagepläne oder Einheiten-Explorer sind kein Selbstzweck. Sie wirken besonders in drei Situationen:

  • Vor Vermarktungsstart: Erwartungen setzen, Einheiten verständlich erklären, Nachfrage strukturieren.
  • Bei komplexen Projekten: mehrere Baukörper, Staffelgeschosse, Blickbeziehungen, Lärm-/Sonnensituationen.
  • Im Vertriebsgespräch: schnelle Orientierung, weniger Missverständnisse, bessere Dokumentation der Präferenzen.

Der Praxis-Tipp: Verknüpfen Sie Visualisierung direkt mit dem Datenmodell (Einheit-ID, Status, Preis, Dokumente). Dann wird 3D zum Interface in den Datenbestand – nicht zum isolierten Marketing-Asset.

6) Integrationen und Governance: DSGVO, Rollen, Nachvollziehbarkeit

Gerade in Deutschland ist „funktioniert“ ohne Governance nur kurzfristig tragfähig. Ein sauberes Setup umfasst:

  • Rechte & Rollen (z. B. Projektteam vs. externe Vertriebspartner)
  • Auditierbarkeit: Wer hat Status/Preis geändert? Wann? Warum?
  • Einwilligungen und Kommunikationspräferenzen pro Kontakt
  • Schnittstellenstrategie: klare Verantwortlichkeiten, Monitoring, Fehlertoleranz

Das Ziel ist nicht maximale Regulierung, sondern verlässliche Abläufe, die auch bei Teamwechsel, Partnerwechsel oder Skalierung stabil bleiben.

Mini-Checkliste: Woran Sie erkennen, ob Ihr Setup „skalierbar“ ist

  • Einheitenstatus wird genau einmal gepflegt und überall identisch angezeigt.
  • Leads landen automatisch im System und werden innerhalb definierter Zeiten bearbeitet.
  • Pipeline ist nicht „Gefühl“, sondern basiert auf Events (Termin, Reservierung, etc.).
  • Dashboards aktualisieren sich ohne manuelle Excel-Schritte.
  • Quelle → Abschluss ist auswertbar (nicht nur „Leads insgesamt“).
  • Externe Partner arbeiten im gleichen Prozess (mit passenden Berechtigungen).

Konkrete erste 30 Tage: ein realistischer Maßnahmenplan

Viele Organisationen planen zu groß und starten zu spät. Besser: ein 30-Tage-Plan mit klaren Ergebnissen.

Woche 1: Ziel- und Kennzahlen-Workshop

  • 5–8 Entscheidungen definieren
  • Minimal-Datenmodell festlegen
  • Statusdefinitionen vereinheitlichen (inkl. Reservierungslogik)

Woche 2: Leadfluss und Routing

  • Quelleninventar (Portale, Website, Partner)
  • Automatisches Einsammeln + Duplikatlogik
  • Routing-Regeln und Reaktionszeiten definieren

Woche 3: Operatives Dashboard (MVP)

  • Abverkauf + Pipeline + Konversion in einem Dashboard
  • Verantwortliche pro Kennzahl benennen
  • „Definition of Done“ für Statuswechsel festlegen

Woche 4: Stabilisierung

  • Qualitätschecks (fehlende Felder, fehlerhafte Status)
  • 1–2 Engpass-Automationen (z. B. Follow-up, Terminbestätigung)
  • Feedbackschleife mit Vertrieb und Projektleitung

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Was sich meist sofort verbessert (und was nicht)

Erfahrungsgemäß sind diese Effekte schnell sichtbar:

  • Schnellere Reaktion auf Anfragen durch Automatisierung und Routing
  • Weniger Konflikte um Zahlen, weil Status und Quellen klar sind
  • Bessere Priorisierung im Vertrieb durch transparente Pipeline

Was dagegen Zeit braucht: belastbare Vorhersagen, saubere Leadscoring-Modelle und „echte“ KI-Automation. Diese Themen funktionieren erst, wenn Datenqualität und Prozessdisziplin stimmen. Das ist kein Rückschritt, sondern die Voraussetzung, damit KI später messbar Mehrwert liefert.

Praxisregel: Erst Prozesse und Daten stabilisieren, dann KI gezielt auf die Engpässe ansetzen (Qualifizierung, Follow-up, Zusammenfassungen, Datenanreicherung).

Fazit: Weniger Silos, mehr Steuerung – mit überschaubarem Aufwand

Wenn Projektvertrieb, Einheitenstatus, Leadfluss und Reporting auf einer konsistenten Datenbasis aufsetzen, entsteht ein echter Steuerungskreislauf: Sie sehen früh, was funktioniert, wo es klemmt und welche Maßnahmen den Abverkauf beeinflussen. Das reduziert nicht nur manuelle Arbeit, sondern verbessert vor allem die Entscheidungsqualität.

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