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KI-Textentwürfe: Was stimmt und was man prüfen muss

Innosirius Redaktion··6 Min. Lesezeit
KI-Textentwürfe: Was stimmt und was man prüfen muss

Was ein KI-Textentwurf kann — und was er nicht sieht

Wer heute mit Kunden schreibt, hat oft ein KI-Werkzeug im Hintergrund. Man tippt ein paar Stichworte ein, das System liefert einen Entwurf. Der Text klingt gut. Er ist grammatikalisch korrekt, freundlich im Ton, professionell im Aufbau. Viele schicken ihn so ab.

Das Problem liegt nicht darin, dass der Text schlecht ist. Es liegt darin, dass er für eine Version des Gesprächs geschrieben wurde, die das Werkzeug kannte — nicht für die, die Sie erlebt haben.

Dieser Unterschied ist klein genug, um ihn zu übersehen. Und groß genug, um bei der falschen Kundin den falschen Eindruck zu hinterlassen.

Wo KI-Texte in der Kundenkommunikation verlässlich funktionieren

Es gibt Situationen, in denen KI-Textentwürfe zuverlässig ihre Aufgabe erfüllen. Das sind meistens Texte, bei denen der Inhalt feststeht und die Beziehung zur Leserin keine Rolle spielt.

Standardbestätigungen und Terminmeldungen

Terminbestätigungen, Zahlungserinnerungen, Eingangsbestätigungen — hier liefern KI-Werkzeuge solide Entwürfe. Der Text ist kurz, der Sachverhalt klar, und die Empfängerin erwartet keine persönliche Note. Was das Werkzeug schreibt, deckt sich meistens mit dem, was gebraucht wird.

Wer täglich viele solcher Nachrichten schickt, spart damit tatsächlich Zeit. Das ist keine Versprechung — das ist die Erfahrung, die die meisten nach ein paar Wochen berichten.

Erste Antworten auf neue Anfragen

Meldet sich jemand zum ersten Mal, ist der Kontext überschaubar. Name, Anliegen, Rückfrage — das reicht dem Werkzeug, um einen anständigen Erstentwurf zu liefern. Wenn das Anliegen klar beschrieben ist, kommt ein brauchbarer Text heraus. Die meisten, die das ausprobiert haben, sind an dieser Stelle nicht enttäuscht worden.

Das liegt daran, dass beim ersten Kontakt noch keine Beziehungsgeschichte vorhanden ist, die fehlen könnte. Beide Seiten kennen sich nicht — und das Werkzeug muss nur so tun, als wäre man höflich und interessiert. Das gelingt.

Wo KI-Textentwürfe nachweislich scheitern

Die Schwierigkeiten beginnen dort, wo die Situation mehr Kontext trägt, als das Werkzeug sehen kann. Das ist häufiger der Fall, als man zunächst annimmt.

Was aus früheren Gesprächen in den Text muss

Ein Makler, der einer Interessentin nach drei Wochen wieder schreibt, weiß Dinge, die nirgends aufgeschrieben stehen. Sie hat beim letzten Gespräch erwähnt, dass das Budget nur noch bis Ende des Monats gilt. Sie hat gezögert, als der dritte Stock zur Sprache kam. Sie hat eine Bemerkung gemacht, die er sich gemerkt hat, ohne sie zu notieren.

Diese Informationen fehlen dem Werkzeug vollständig — sofern man sie ihm nicht eigens übermittelt hat. Das Ergebnis ist ein Text, der stimmt, aber nicht passt. Er beantwortet die Frage, die formal gestellt wurde, nicht die, die dahinterliegt.

Dasselbe gilt für Beraterinnen, die nach einem Erstgespräch nachfassen. Für Handwerker, die nach einem Besichtigungstermin ein Angebot nachschicken. Für alle, deren Kundenbeziehung aus mehr als einem Kontakt besteht.

Ton und Beziehungsebene

Manche Kundinnen möchten sachlich informiert werden. Andere erwarten, dass man sich an ihre Situation erinnert. Ein Text, der beide gleich behandelt, trifft meistens keine von beiden richtig.

KI-Werkzeuge tendieren zu einem mittleren Registerton. Das ist weder zu förmlich noch zu vertraulich — und deshalb für viele Beziehungen auch nicht ganz richtig. Wer seit Jahren dieselbe Steuerberaterin hat, erkennt sofort, ob der letzte Brief von ihr stammt oder aus einem anderen Prozess.

Das ist keine Frage der Qualität des Textes. Es ist eine Frage der Erkennbarkeit. Und Erkennbarkeit ist in Beratungs- und Dienstleistungsberufen keine Kleinigkeit — sie ist oft der einzige Grund, warum jemand wiederkommt.

Zahlen und Zusagen, die nur Sie kennen

Wenn ein Werkzeug einen Angebotsentwurf erstellt, schreibt es das, was plausibel ist. Es kennt keine lokalen Besonderheiten, keine Vorgespräche, keine mündlichen Absprachen. Ein Handwerker, der mithilfe eines KI-Entwurfs ein Angebot schickt, in dem eine Leistung steht, die er gar nicht anbietet, hat ein Problem — nicht das Werkzeug.

Das gilt auch für Fristen, Preise, Zuständigkeiten und Ausnahmen. Alles, was aus einem Kontext kommt, den das Werkzeug nicht kennt, muss manuell geprüft werden. Das klingt selbstverständlich. In der Praxis geht es trotzdem unter — besonders wenn der Text überzeugend klingt und man unter Zeitdruck steht.

Was Sie prüfen müssen, bevor Sie absenden

Wer KI-Textentwürfe in der Kundenkommunikation nutzt, sollte vor dem Absenden einige Fragen stellen. Nicht als formale Checkliste, sondern als Grundgewohnheit:

  • Stimmt der Ton für diese Person? Nicht für Kundinnen im Allgemeinen — für diese hier. Wie schreiben Sie ihr sonst?
  • Fehlt etwas aus dem letzten Gespräch? Was haben Sie besprochen, das im Text nicht auftaucht, aber hätte auftauchen sollen?
  • Sind alle Zahlen und Angaben geprüft? Preise, Fristen, Mengen, Leistungsumfang — das Werkzeug erfindet, wenn es nichts weiß.
  • Klingt es nach Ihnen? Nicht jede Abweichung ist ein Fehler, aber ein Text, der nicht nach Ihnen klingt, wird auch nicht so gelesen.
  • Was hat die Kundin zuletzt gefragt, das Sie noch nicht beantwortet haben? KI-Werkzeuge beziehen sich auf das, was Sie eingegeben haben — nicht auf das, was Sie vergessen haben einzugeben.
  • Würden Sie diesen Text unterschreiben, wenn Sie ihn von Hand geschrieben hätten? Das ist die ehrlichste Frage.

Das ist kein Argument gegen KI-Textentwürfe. Es ist ein Argument dafür, genau zu wissen, was man bekommt — und was man selbst noch beitragen muss.

Textentwurf ist nicht das Einzige, was KI heute übernimmt

In vielen Büros laufen KI-gestützte Abläufe nicht nur bei Texten. Dokumente werden automatisch ausgelesen, Bilder werden beschrieben, Bewertungen werden berechnet. Überall gilt dasselbe Prinzip: Das Werkzeug arbeitet mit dem, was es sieht — und sieht manches nicht.

Wer Dokumente automatisch auslesen lässt, sollte wissen, dass handschriftliche Ergänzungen oder schlecht eingescannte Seiten oft nicht erkannt werden. Zahlen, die an den Rand geschrieben wurden, tauchen im Ergebnis schlicht nicht auf. Das Dokument sieht vollständig aus — es ist es nicht.

Wer Fotos automatisch beschreiben lässt — etwa Fotos einer Immobilie oder eines Schadens — sollte wissen, dass räumliche Tiefe, Feuchtigkeit und Geräusche auf einem Bild nicht vorhanden sind. Der erzeugte Text klingt plausibel. Aber er beschreibt ein Bild, nicht einen Ort. Ein Gutachter, der das übersieht, unterschreibt am Ende etwas, das optisch korrekt ist und fachlich daneben liegt.

Wer Bewertungsvorschläge aus einem Werkzeug übernimmt, muss wissen, dass lokale Besonderheiten dem Werkzeug verborgen bleiben, sofern niemand sie eingetragen hat. Ein Lärmproblem, ein Sanierungsstau, eine bekannte Verhandlungshistorie in der Nachbarschaft — das weiß niemand, der nicht vor Ort war. Das Werkzeug war nicht vor Ort.

Wer mehrere solcher Werkzeuge gleichzeitig in seinen Ablauf einbettet, steht vor der Frage, wie er die Prüfverantwortung dabei organisiert. Das ist keine Technikfrage — es ist eine Frage der Ablaufgestaltung, mit der sich Innosirius in verschiedenen Projekten auseinandersetzt.

Woran man vorher erkennt, ob KI hier trägt

Es gibt keine technische Methode, die das zuverlässig vorhersagt. Aber es gibt eine einfache Frage, die hilft: Würde ich diesem Text vertrauen, wenn ich ihn von einer Kollegin bekäme, die das Thema kennt, aber diese Kundin nicht?

Wenn die Antwort nein ist, ist KI an dieser Stelle kein Gewinn. Wenn die Antwort ja ist, kann ein Entwurf Zeit sparen — sofern man ihn liest, bevor man ihn schickt.

Die meisten Schwierigkeiten entstehen nicht, weil das Werkzeug schlecht arbeitet. Sie entstehen, weil man es wie eine Unterschrift benutzt, obwohl es nur ein Entwurf ist.

Was bleibt, wenn man das nüchtern betrachtet

KI-Textentwürfe sind nützlich, wenn die Situation überschaubar und der Kontext vollständig ist. Sie sind eine Quelle von Fehlern, wenn man ihnen Dinge überträgt, die das Werkzeug nicht wissen kann.

Der schwierige Teil ist nicht das Erkennen dieser Grenze im Allgemeinen. Der schwierige Teil ist das Erkennen im Einzelfall — wenn man unter Zeitdruck steht, der Text gut aussieht und die Kundin sowieso schon länger wartet.

Wie viel Beziehungskontext man einem Werkzeug mitgeben kann, ohne dass die Kundin das Gefühl bekommt, sie wird verwaltet statt beraten — das ist eine Frage, die sich Makler, Beraterinnen und Inhaber kleiner Unternehmen derzeit in der Praxis stellen. Ohne dass es dafür eine allgemeingültige Antwort gäbe.

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